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© Emslandmuseum Schloss Clemenswerth

Außergewöhnliche Kunst von außergewöhnlichen Künstlern

Emslandmuseum Schloss Clemenswerth eröffnet Ausstellungsjahr 2013


Sögel. Mit zwei außergewöhnlichen Ausstellungen ist am vergangenen Wochenende das Ausstellungsjahr der Reihe ForumFormClemenswerth am Emslandmuseum Schloss Clemenswerth eröffnet worden. Zum einen ist das die Ausstellung „Lattenspiele“ (bis 31.10.) des Wolfsburger Künstlers Eimo Cremer, zum anderen die Ausstellung „Die Schlumper - Kunst aus Hamburg“ (bis 02.06.) der gleichnamigen Ateliergemeinschaft begabter Menschen mit Behinderungen. Die „Schlumper“ gingen Anfang der 80er Jahre aus Individualisten hervor, die sich standhaft den Arbeitsangeboten der Behindertenwerkstätten verweigerten. 1993 entstand das Arbeitsprojekt „Schlumper von Beruf“. Damit erhielten die Künstler die Chance, aus ihrer besonderen Fähigkeit einen Beruf zu machen. Seit 2002 ist das Projekt in Trägerschaft der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und damit für die Zukunft gesichert. Dass die „Schlumper“ aber mehr als ein Arbeitsprojekt sind, beweisen die überzeugenden Arbeiten in der Ausstellung am Emslandmuseum.


In seiner Begrüßungsrede lobte Hermann Bröring, der Vorsitzende des Emsländischen Heimatbundes e.V., nicht nur die ausgesprochene Qualität der beiden Ausstellungen, sondern auch das besondere Gespür des Museumsdirektors Oliver Fok für besondere Künstler, die, wie Eimo Cremer, die Außenanlage einbinden und diese so für Besucher auf künstlerische Weise erfahrbar machen. So, unterstrich Hermann Bröring, ist es Fok gelungen, die seit 1974 bestehende Ausstellungsreihe um einen weiteren Aspekt zu ergänzen und einen Spannungsbogen zur historischen Anlage zu spannen.

Den drei Installationen von Eimo Cremer auf den Clemenswerther Teichinseln gelingt dieser Spannungsbogen auf zweifache Weise. Die über sechs Meter hohen und mit leuchtenden Elementen, wie u.a. Gymnastikbällen, versehenden Arbeiten verleiten Besucher vom Schlossplatz hinunter zu den Teichen zu gehen, um diese von Nahen zu betrachten. Durch den dreiminütigen Spaziergang erschließt sich ihnen, dort am Rand des Schlossparks, das Ausmaß der gesamten 42 Hektar großen Anlage. „Kunst im Park“, so Oliver Fok bei der Vernissage, „ist somit neben seinem Selbstzweck auch Katalysator, damit die Parkanlage von den Besuchern immer neu entdeckt wird.“ Zum anderen haben alle drei Arbeiten Schloss Clemenswerth selbst zum Thema. Ausgehend von einer unglaublichen, aber belegten Geschichte, hat Eimo Cremer die Installation „See-Zeichen“ entwickelt. Denn zu Zeiten des Kurfürsten Clemens August gab es über ein Dutzend Schiffe und Boote auf der Teichanlage, darunter eine große 8,5 Meter lange und 2,5 Meter breite kurfürstliche Segelyacht mit Kapitän und Steuermann. Diese Yacht sollte nicht nur Repräsentationszwecken, sondern auch der Entenjagd dienen. Jedoch flohen die Enten vor den lauten Kommandos zwischen Kapitän und Steuermann, wodurch der Kurfürst nicht zum Schusse kam und erbost die Mannschaft entließ. Die beiden Installationen „Full House“ und „Lustgarten“ verweisen allein schon durch ihren Titel auf Schloss Clemenswerth und geben Anlass zu mannigfaltigen Interpretationen.   

Die Ausstellung „Die Schlumper - Kunst aus Hamburg“ im Pavillon Clement August zeigt Werke von 21 Künstlern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese eine Vielfältigkeit hat, wie kaum eine andere bisher zu sehende ForumFormClemenswerth Ausstellung. Jeder Künstler hat sein eigenes Thema und seinen eigenen Stil. Gesichter, Menschen, Tiere, Landschaften und Objekte sind in unterschiedlicher Art und Weise dargestellt. Besucher begegnen Bilder, die an Picasso erinnern, einen Bilderzyklus, dessen Wurzeln in Meister Bertrams mittelalterlichen Altar in der Hamburger Kunsthalle zu finden sind, bis hin zu steinzeitlichen Motiven mit Comic-Blasen sowie Diktiergeräten, die in Holz gearbeitet, und Bügeleisen, die gehäkelt sind. Was den Arbeiten allen aber gemeinsam ist, ist die Fähigkeit der Künstler etwas noch nicht Gewusstes, Gefühltes, Erlebtes oder Erahntes in Form zu bringen und den Betrachter etwas mitzuteilen und ihn somit zu berühren. Dass das gelingt, hat die Vernissage unter Anwesenheit von 14 Schlumpern auf erfrischende Weise gezeigt!
 

Anlage:
cremer.jpg © Emslandmuseum Schloss Clemenswerth
Oliver Fok (von links), Eimo Cremer und Hermann Bröring bei der Ausstellungseröffnung.
schlumper.jpg © Emslandmuseum Schloss Clemenswerth
Mehr als nur ein Arbeitsprojekt: Die „Schlumper“ mit ihrem geistigen Vater Rolf Laute (Vierter von rechts).